Israel hat das letzte Spital im Norden Gazas zerstört. Und es ist egal, niemanden kümmert es. Kein medialer Aufschrei, keine Massendemos, einfach nichts.
Israel kämpft mit allen, wirklich ALLEN Mitteln
für die Auslöschung aller Palästinenser*innen, ihrer Geschichte und ihrem Nachweis, jemals existiert zu haben. Die Getöteten und getötet werdenden sind unsere Mitmenschen, wie wir alle es sind. Mitmenschen mit eigenen Geschichten, individuellen Leben und Träumen. Mitmenschen, die wir im Stich lassen.
Denn wir streiten uns darum, ob wir den Begriff des Antisemitismus in den Dreck ziehen sollen, indem wir die Kritik an einem Staat, dessen einziges Ziel es ist, Palästinenser*innen auszulöschen, als solchen bezeichnen. Wie sehr wollen wir jüdische Menschen verachten? Alle jüdischen Mitmenschen weltweit, die ihre Stimmen seit Jahrzehnten gegen den Staat Israel, gegen den Faschismus einsetzen, sie alle machen wir damit bedeutungslos, gemeinsam mit den Palästinenser*innen, die als Terrorist*innen bezeichnet und damit entmenschlicht werden. Israel einfach hinzunehmen ist antisemitisch und rassistisch gegenüber Nicht-Weissen.
Wegen des Völkermordes, wirklich Völkermord, im wahrsten Sinne des Wortes Völkermord, wie so viele Medien ihn nicht aussprechem, schein-linke Organisationen mit eingeschlossen, und der fehlenden Differenzierung zwischen Israel und jüdischen Mitmenschen wird Hass gestreut, antisemitische Gewalt nimmt weltweit zu. Fuck, wir sind so abscheulich, so grausam, wir hassen einander, treiben Keile zwischen uns, graben Gräben, um uns gegenseitig zu erschiessen – weil uns die bürgerliche Hirnwäsche dazu verleitet, damit Bürgis Profite daraus ziehen können. Wie grausam sind wir denn, uns diesem Schema zu fügen? Wie können wir leben, währenddessen die Staaten USA, Israel, Neuseeland, Australien, Kanada und co., die auf Genoziden fundieren, und das gesamte westliche System darauf aufbaut, alles und jede*n zu unterdrücken und auszubeuten, einfach hingenommen werden? Vergessen wir alle Völker und Genoss*innen nicht, die auch beispielsweise in Syrien, China und in Japan diesem Schicksal zum Frass hingeworfen werden: Kurd*innen, Tibet*innen, Ainu und noch so viel mehr Mitmenschen!
Als revolutionäre Kräfte liegt es an uns,
Massen zu mobilisieren, aufzuklären, zu organisieren. Und dennoch sind wir an die Lohn- und (unbezahlte) Care-Arbeit gefesselt, sodass unsere Kapazitäten oft nicht mehr zulassen, als bequemlichen Online-Aktivismus zu betreiben, in Form des Story-Teilens – und des Verfassens beispielsweise dieses Blog-Eintrags. Weil es für mehr nicht reicht. Für eine Revolution reicht das nicht, nicht einmal ansatzweise. Wie lernen wir Solidarität? Wie schaffen wir Bildungsstrukturen und Wege, ganz direkt alle Proletarier*innen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind, zu unterstützen? Und wie schaffen wir es, diese Strukturen vom Rassismus, der Misogynie und der Queerfeindlichkeit zu trennen? Wenn Frauen, TINA-Personen, Kongoles*innen, Palästinenser*innen, aber auch behinderte, arbeitslose, arme Mitmenschen und Rentner*innen, intersektional davon Betroffene nicht zu vergessen, grundsätzlich nicht als Teil unserer Klasse betrachtet werden, und die wenigen Orte, bei denen es bisher so war, einer Selbstzerstörung aufgrund des internen Rechtsrutsches unterworfen sind, wie können wir es dann wagen, Marx‘ „Proletarier(*innen) aller Länder, vereinigt euch!“ zu zitieren?

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